Menschen mit Handicap erhalten neue Perspektiven

Die Unterschiede beim Umgang mit behinderten Menschen in verschiedenen Kulturen, beginnt mit der Definition von behindert sein. Was noch als körperliche Beeinträchtigung gilt, oder schon als Behinderung angesehen wird, ist von den Werten und Normen der jeweiligen Kultur abhängig.

In den Staaten der so genannten dritten Welt, wo Armut und Krankheit noch immer weit verbreitet ist, sind Menschen mit Behinderungen in besonderer Weise von Armut und einem Leben am Rande der Gesellschaft betroffen. 80 % aller Menschen mit Behinderungen weltweit, leben in Entwicklungsländern, und während in den Industrienationen für Gleichberechtigung und Integration dieser Menschen gekämpft wird, geht es in den Entwicklungsländern oft genug um das Überleben. Oft wird dort die Behinderung als Problem der betroffenen Person eingeschätzt, und hat Diskriminierung, gesellschaftliche Ausgrenzung und fehlender Zugang zu medizinischer Grundversorgung und Rehabilitation, zur Folge. Auch technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen fehlen vielerorts in den Entwicklungsländern oder sind unbezahlbar.

Die Ruandahilfe Hachenburg setzt sich für Menschen mit Behinderungen in Ruanda ein. Mit Hilfe vieler Unterstützer, wie zum Beispiel der Katholischen Jugend Wissen, konnte der Hachenburger Verein verschiedene Kooperativen für Menschen mit Behinderungen fördern, in denen diese betreut werden und eine Einkommen schaffende Beschäftigung finden, mit der sie in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

In der Kooperative Urugwiro produzieren die Personen, die aufgrund ihres Handicaps keine körperlichen Arbeiten ausüben können, mit den beschafften Strickmaschinen die verschiedensten Produkte, zum Beispiel Pullover für die Schuluniformen, die an die Bevölkerung bereits sehr erfolgreich verkauft werden. Vor Aufnahme ihrer Tätigkeiten, fanden Schulungen in den Bereichen Produktion, Verwaltung und Führung eines gewerblichen Betriebes statt. Für die Mitglieder, die sich trotz ihrer Beeinträchtigungen körperlich betätigen können, ist ein landwirtschaftliches Projekt entstanden. Neben einer Viehzucht gibt es große Ackerflächen, auf denen Bananen und Gemüse angebaut werden. Die Produkte dienen der eigenen Versorgung und werden auf dem Markt verkauft.

Die Bienenzucht der Kooperative COAPISA wurde mit 40 Bienenstöcken und umfangreichem Material für die Produktion und den Verkauf des Honigs ausgestattet. Pro Jahr können nun bis zu 800 kg hochwertigen Honigs produziert werden. Um den in Ruanda sehr beliebten Honig noch besser verkaufen zu können, plant die Kooperative einen Verkaufsstand an der Straße von Huye nach Kigali zu errichten. Zudem wird das Wachs an eine Firma verkauft, die daraus Kerzen produziert.

Ganz aktuell ist die Förderung der Kooperative COJEDEL, für Jugendliche mit geistigen Behinderungen, aber auch Jugendliche, die entweder keine Schule besuchen können, oder keine Beschäftigung finden. Sie produzieren von Hand die verschiedensten Produkte, wie Schuhe, Taschen, Ohrringe, Rucksäcke und Gürtel. Die Produktion umfasst sämtliche Schritte, von der Beschaffung des erforderlichen Materials, bis zum fertigen Produkt. Der Bedarf an diesen Produkten, die die Jugendlichen auf dem Markt zum Kauf anbieten, ist hoch. Um die Produktionsbedingungen zu verbessern und die schon jetzt gute Qualität zu steigern, finanziert die Ruandahilfe Hachenburg die Anschaffung von Leder-Nähmaschinen und Schleifmaschinen, sowie Kuhfellen. Zum Förderprogramm gehört auch eine Fortbildungsreise durch Ruanda, während der die Jugendlichen in anderen Werkstätten neue Ideen für Innovationen finden sollen.

Alle Kooperativen haben einen eigenen Vorstand, der aus den jeweiligen Mitgliedern gewählt wird und für die Koordination zuständig ist. Ein weiterer Garant für die positive Entwicklung ist die Betreuung vor Ort, durch die ruandische Mitarbeiterin Espérance Muteteli vom rheinland-pfälzischen Koordinationsbüro, mit dem die Ruandahilfe Hachenburg sehr eng zusammenarbeitet.

„Wir haben großen Wert auf eine nachhaltige Wirkung unserer Fördermaßnahmen gelegt. Alle Kooperativen wurden sorgfältig vorbereitet und sind durch den Verkauf ihrer Waren in der Lage, ihren Mitgliedern einen Lohn zu bezahlen, der den Lebensstandard und das gesundheitliche Wohl verbessert. Auch benötigtes Material kann zukünftig selbst finanziert werden. Die Menschen sind durch ihre Tätigkeit selbstbewusster und wieder ein Teil der Gesellschaft geworden.“, freut sich der Vorsitzende, Thilo Leonhardt.   

In den kommenden Jahren sollen weitere Kooperativen für unterschiedliche Zielgruppen entstehen und gefördert werden. Interessierte können die Projekte der Ruandahilfe Hachenburg durch eine Mitgliedschaft unterstützen. Darüber hinaus freut sich der Verein über jede finanzielle Unterstützung. Schon mit kleinen Beträgen kann man viel bewirken.

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