Amizero y’Ubuzima (= “Hoffnung auf Leben”) ist ein Elternverein aus Kibilizi, Gisagara. Er wurde von Eltern, deren Kinder eine geistige Behinderung haben, gemeinsam mit Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen gegründet. Der Zweck des Vereins besteht in der Unterstützung der Kinder mit Behinderungen, der Förderung ihrer Entwicklung und dem Kampf um ihre Rechte innerhalb der Gesellschaft. Der Verein ist verantwortlich für die Arbeit des Training Centers für Sonderpädagogen und Sonderpädagoginnen. Im Zentrum für Kinder mit Behinderungen in Kibilizi werden die Kinder an ihr Lernumfeld gewöhnt und erlernen dann so viel Selbstständigkeit und eventuell Schulbildung, wie es jedem Kind unter Berücksichtigung seines/ihres Behinderungsgrades möglich ist.

In Kollaboration mit drei integrativen Grundschulen (Kibilizi, Ndora und Kansi) praktiziert Amizero y’Ubuzima eine systematische Inklusion in das normale Bildungssystem. Diese folgt dem aktuellen Curriculum für Kinder mit Behinderung, das Amizero y’Ubuzima entwickelt hat. Das Curriculum wurde auch in das neue nationale Curriculum für Special Needs Education vom Bildungsministerium, welches ab 2016 für alle Schulen gelten soll, mit einbezogen.

Die Betreuung der Kinder mit Behinderung in Kibilizi begann im Jahr 2011 mit einer sehr kleinen Zahl von Begünstigten. Heute kann das Center jährlich 38 Kinder im Vorbereitungsprogramm für die Inklusivschulen unterrichten, die auch unter der Woche dort wohnen können. Jedes Jahr werden neue Kinder erfolgreich in die Regelschulen integriert. Daneben können andere kleine Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen, die bisher absolut von ihren Eltern abhängig waren, durch ambulante Physiotherapie mehr Selbstständigkeit erlernen. Das Personal in Kibilizi ist sehr professionell bei der Einschätzung der Kinder und kann dann feststellen, ob und in welchem Maße auch eine geistige Einschränkung vorliegt. Desweiteren erreicht das Zentrum 158 Eltern von Kindern mit Behinderungen aus dem ganzen Distrikt, die Grundlagen in Physiotherapie lernen, um ihren Kindern so helfen zu können. Hierzu finden sich die Eltern an 7 verschiedenen Orten in Gisagara zusammen. Sehr stark beeinträchtigte Kinder, die nicht fähig sind, eine Schule zu besuchen, erlernen in speziellen Kursen lebenspraktische Aktivitäten. Hierfür nimmt das Zentrum jährlich 24 Kinder aus den 7 Gruppen auf.

Neben dem Management ihres eigenen Centers betreibt Amizero y’Ubuzima auch ein intensives Follow-Up der Arbeit in den Inklusivschulen und bietet Lehrern und Lehrerinnen an diesen Schulen Weiterbildung zum Umgang mit beeinträchtigten Kindern und ihrem Verhalten. Der Verein hat auch eine eigene Methodik für die Begleitung diese speziellen Fälle. Die Inklusion der Kinder verläuft sehr erfolgreich, die Kinder werden schnell von anderen akzeptiert und ins soziale Leben eingebunden.

Amizero y’Ubuzima ist eine offiziell in Ruanda anerkannte Nichtregierungsorganisation und wurde als Förderer von inklusiver Bildung ausgewählt. Durch diese offizielle Anerkennung wurde der Ruf des Zentrums sehr gestärkt, andere Zentren mit ähnlichen Projektideen sehen es als Referenzzentrum. Es hat zur Entwicklung von Standards und Methoden beigetragen, um das neue Curriculum für alle verständlich und sinnvoll zu machen.

Daneben gilt der Verein auch als eine erfolgreiche Organisation im Bereich der Einbeziehung, Sensibilisierung und Weiterbildung der Eltern. Sie werden auch als gutes Modell angesehen, um andere Center zu sensibilisieren und zu helfen, ein Konzept für Trainings in lebenspraktischen Aktivitäten zu entwickeln und auch die lokalen Gemeinschaften einzubinden.

Problemstellung

Im Zentrum werden jährlich 38 Kinder im Vorbereitungsprogramm beschult und weitere ca. 158 Kinder aus den sieben Gruppen in Gisagara anderweitig betreut. Die obenstehenden Informationen zeigen die wirtschaftliche Armut in der Bevölkerung Gisagaras sowie die große Anzahl  von Menschen mit Behinderungen. Hierzu gehören die Begünstigten der Angebote von Amizero y’Ubuzima. Die Eltern haben nicht nur ein Kind mit Behinderung, sondern leben zumeist auch noch in großer Armut. Sie können für die Kinder keine Schulgebühren zahlen, oft auch keine Krankenversicherung bzw. sie sind sich dessen nicht bewusst, dass ein Kind mit Behinderung auch diese Rechte hat. Diese sozioökonomische Situation macht es für sie schwieriger, die Wichtigkeit und Funktionsweise von Special Needs Education und inklusiver Bildung zu verstehen. Viele Kinder bleiben in ihrem Haus versteckt. Die Familien, die von Amizero y’Ubuzima unterstützt wurden, zeigen hier eine weitere Entwicklung und die Einstellung von Eltern ihren Kindern gegenüber wandelt sich. Dennoch sind sie nicht zu einer finanziellen Beteiligung an der Ausbildung der Kinder im Stande. Alle Angebote des Zentrums sind gratis. Dies ist für das Zentrum aber eine große Herausforderung. Bisher haben externe Partner und Partnerinnen die Angebote mit großen Beiträgen ermöglicht. Diese Unterstützung kann aber nicht zur Befriedigung aller Bedürfnisse der Kinder in den Familien befriedigen. Langfristig ist das Center darauf angewiesen Gebühren für den Schulbesuch v.a. für die internen Schüler zu verlangen. Während des Aufenthalts im Zentrum genießen die Kinder die guten Lebensbedingungen dort. Während der Wochenenden und Ferien jedoch leiden viele wieder unter Hunger und psychologischem Druck als Folge der Armut der Familien.

Amizero y’Ubuzima besitzt Land, auf dem sie einkommensschaffende Projekte für die Eltern planen. Da viele Eltern kein eigenes Land besitzen, will der Verein dies zur Verfügung stellen, sodass die Eltern die Durchführung eines kleinen einkommensschaffenden Projektes erlernen können. Es kann jedoch so nicht vom Zentrum finanziert werden.

 

Lösungsvorschlag

Der Sektor Kibilizi bietet einen gut geeigneten Boden für Landwirtschaft und Viehzucht. Das Ziel des Vereins ist es, die Eltern in ein kleines Projekt auf dem Gelände des Zentrums einzubinden, wo Bananen angebaut und Hasen gezüchtet werden sollen. Das Klima in der Region ist für Bananen sehr gut geeignet (26-300C) und der Süden Ruandas hat jedes Jahr genug Niederschlag. Außerdem ist Landwirtschaft die Hauptaktivität der meisten Ruander und Ruanderinnen, sodass auch die weniger gebildeten Schichten der Bevölkerung sich gut auf diesem Gebiet auskennen und erfolgreich Bananen anbauen könnten. Das Bananenprojekt wird ergänzt durch eine Hasenzucht, dies sorgt auch für genügend Dünger für die Pflanzen. Auch soll jede Familie einen Hasen mit nach Hause nehmen können, um ein eigenes kleines Projekt starten zu können. Desweiteren kann das Zentrum den Kindern so häufiger Fleisch zu essen geben, was notwendige Proteine liefert.

Das Engagement und die Motivation, die die Eltern für das Projekt aufbringen werden, ist auch ein Symbol für die Veränderung in ihrem Denken und ihr Engagement für ihre Kinder.

Im Rahmen der Projektdurchführung sollten die Eltern verantwortlich für die effiziente Arbeit sein. Sie sollten sich zu einer Kooperative zusammenschließen. Kooperativen sind offiziell anerkannte Organisationen, die sich freiwillig zusammenschließen, um Geld zu erwirtschaften, aber auch sich gegenseitig zu helfen, zu einigen und Beschlüsse in ihrem Unternehmen demokratisch zu fällen.

Dies ist die Motivation der Eltern in Kibilizi, die Zusammenarbeit sollte im Rahmen dieses kleinen Projektes ihren Anfang nehmen. Sie selbst haben diese Entscheidung getroffen. Bananen- und Hasenzucht sind einfache Tätigkeiten, an denen sie bereits gearbeitet haben. Mithilfe der täglichen Arbeit am Projekt und den Erfolgen sollen die Eltern auch ihre Ängste und Frustration und somit das mangelnde Selbstbewusstsein überwinden, unter denen sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position als Eltern eines Kindes mit Behinderung leiden. Dies ist eine große Herausforderung innerhalb der ruandischen Gesellschaft: sie tragen nicht nur die Verantwortung für ein Kind mit Behinderung, sondern müssen auch noch die sie umgebende Gesellschaft davon überzeugen, sie und ihre Kind zu akzeptieren und mit ihnen zu leben. Ein Kind mit Behinderung in der Familie zu haben hatte immer Diskriminierung und Stigmatisierung zur Folge. Daher zeigen sie oft auch wenig Entschlossenheit, sich anderen Kooperativen in ihren Dörfern anzuschließen. Sie befürchten auch, verantwortlich gemacht zu werden, wenn sie mit ihren Kindern das Krankenhaus besuchen müssen, oder täglich zur Physiotherapie dorthin gehen zu müssen. Häufig konnten sie auch nur schwer am gesellschaftlichen Leben teilhaben, um der schädliche Einstellung anderen ihnen gegenüber aus dem Weg zu gehen, welche das Kind auch dazu bringen kann, sich selbst als schrecklichen Schicksalsschlag für die Familie zu empfinden.

Während eines Treffens hat ein Elternteil berichtet, sich selbst lange als psychologisch belastet gesehen zu haben und nicht an eine mögliche Verbesserung des eigenen Lebens geglaubt zu haben, bis durch die Hilfe des Centers in Kibilizi sich der Zustand des Kindes stark verbessert habe –  dies gebe neue Hoffnung für die Zukunft. Die Gruppe in Kibilizi hofft, das Schweigen um das Thema brechen zu können, indem sie sich für die ganz normale Ausbildung ihrer Kinder engagieren, die lernen sollen wie alle anderen auch.

Das Ziel des Projektes ist das Erreichen von Selbstverantwortlichkeit durch profitorientierte Aktivitäten und gutes Management, was zu erfolgreichen Ergebnissen beitragen soll. Amizero y’Ubuzima als zivile Organisation möchte die Denkensweise der Eltern ändern, die ihre Kinder in inklusiven Schulen unterbringen wollen. Die Eltern wollen außerdem ihren Kindern die erwirtschafteten Bananen zu essen geben können, sowie das Fleisch aus der Hasenzucht. Durch Verkauf wollen sie aber auch Geld einnehmen für Schulgeld (sobald dies fällig wird), Krankenversicherung und Kleidung für ihre Kinder mit Behinderung. Desweiteren können sie dann das Zentrum mitfinanzieren, sodass es langsam finanziell unabhängig werden kann. Aus dem Rest des Einkommens sollen auch Start-Up-Funds für die Gruppen entstehen. Somit sollten die Eltern darauf hinarbeiten, das Zentrum verlassen und eigenständig ähnliche Aktivitäten in ihren Dörfern beginnen zu können. Außerdem wird das Projekt eine Trainingsmöglichkeit für die Kinder mit Behinderung darstellen, als lebenspraktische Aktivität, die ihnen später auch Einkommen einbringen kann.

 

Aktivitäten und Ziele des Projekts

Die Eltern im Zentrum in Kibilizi haben gratis Land zur Verfügung bekommen, um hier Bananenstauden zu pflanzen. Sie haben bereits 172 Stauden gepflanzt und wollen das Projekt auf insgesamt 2000 Stück ausweiten. Daneben werden sie einen Stall mit 40 Hasen bauen. Nach der Pflanzung der Bananen soll jeden Tag ein Elternteam zum Füttern der Hasen und zum Pflegen der Bananen kommen. Dieses Engagement der Eltern ist wesentlich für den Erfolg des Projektes. Der Verein Amizero y’Ubuzima wird die tägliche Supervisioon übernehmen, die technische Organisation wird aus der Projektfinanzierung bezahlt. Der Zwischenbericht und gemeinsame Treffen mit allen Beteiligten während jedem Schritt des Projektes sollen Lösungen für eventuell auftretende Probleme hervorbringen. Die beste Art, die Eltern weiterzubilden, besteht darin, sie bei der Lösung aller Probleme zu unterstützen, bevor die nächste Projektaktivität folgt, so soll ihr Verantwortungsgefühl gefördert werden. Das Projekt sollte im Januar 2017 beginnen. Um rechtzeitig anzufangen, werden die Eltern bereits das Land vorbereiten – die erste große Aufgabe, da möglichst kein Gras mehr dort wachsen sollte. Während diesen Jahres soll das Feld noch für den Anbau anderer Lebensmittel genutzt werden, wie Bohnen oder Mais. Das Management des Projekts soll die Elterngruppe übernehmen, beraten durch den Verein Amizero y’Ubuzima.

Das Projekt wird den Eltern aus Kibilizi das nötige Einkommen verschaffen, selbst mit ihrem eigenen Kapital Projekte in den Dörfern zu starten. Die Tiere sollen Dünger für die Bananenplantage bereitstellen. Insgesamt soll das Projekt die Lebens- und Arbeitsbedingungen aller Begünstigten verbessern (Eltern, Kinder und der Verein Amizero y’Ubuzima). Ein kurzes Training in Kooperativenmanagement kann den Eltern helfen, die Wichtigkeit der Gründung einer echten Kooperative zu verstehen und das Projekt besser durchzuführen.

Die Ziele des Projekts sind die Folgenden:

  • Die Eltern sollen fähig sein, ein Projekt selbst durchzuführen, was ihnen Einkommen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen einbringt.
  • Die Eltern können mit Schulgeldern einen Beitrag zur Ernährung ihrer Kinder im Zentrum leisten.
  • Sie sollen fähig sein, sich eine eigene funktionsfähige Kooperative in ihren Dörfern aufzubauen.
  • Amizero y’Ubuzima selbst profitiert von den Schulgeldern der Eltern, wenn genug Produktion verkauft wird.
  • Den Eltern sollen alle Informationen zukommen, die für die Führung einer Kooperative nötig sind (kurze Weiterbildung in Kooperativenmanagement).